Donnerstag, 6. Mai 2010

Wunder gibt es immer wieder

  • Tag: 5
  • Etappe: Wismar - Friedrichsmoor
  • Tagesdistanz: 75,85 km
  • Höhendifferenz: 138 Meter (Höhe von -60 Meter 78 Meter)
  • Gesamtanstieg: 357
  • Gesamtabstieg: 258 Meter
  • Kalorienverbrauch: 1018 kcal

    Im Osten nichts Neues, dachte ich mir, als ich mich durch viele kleine Dörfer Richtung Schwerin vortastete. Ein Briefkasten, ein Bäcker und mit viel Glück noch eine Tanke. Nicht viel Abwechslung für mein sich im Kreise drehendes Gehirn und wenig gute Bilder für euch. Der Tag hatte etwas holprig begonnen, mit einem Anruf aus der Vergangenheit. Daher wunderte es mich nicht, dass er auch holprig weiter ging.

    Wer Abenteuer will, muss die eingetretenen Pfade verlassen. Und so schaute ich kurz den Waldweg an, der sich offenbar direkt am Schweriner See lang schlängelt.



Dann fiel mein Blick auf mein schwer beladenes Rad. Sollten wir das wagen? "Ich bin zwar kein Mountainbike", schien es mir zu antworten, "aber mindestens so größenwahnsinnig wie du." Die Schlammschlacht war also eröffnet. Als wir eine halbe Stunde später immer noch mit 5 Stundenkilometern über Wurzeln rutschten, Stämme kletterten und in Schlammlöchern feststeckten, hatte ich die Nase gewaltig voll.



Radfahren heißt fürs Leben lernen. Sich auch mal eingestehen, wenn es so nicht weitergeht. Und so kletterte ich zu Fuß das Rad hinter mir herzerrend, den Abhang hinauf, bis ich endlich wieder Landstraße unter den Rädern spürte.

Doch unser kleiner Ausflug in den Wald barg neben Ärger auch einige Erkenntnisse. Diese Reise schärft meinen Blick für die Details. In den letzten Jahren ging vieles an mir vorbei: immer voran, immer geradeaus, kämpfen, Tunnelblick. Jetzt höre ich wieder die Vögel singen und sehe welche wunderschönen Muster die Bäume in ihren Rinden tragen.



Abgebrochene Äste, Jahresringe, kleine Verletzungen, die längst durch Harz verschlossen sind. Die Zeit hat sie dazu gemacht, was sie jetzt sind und genauso, wie sie sind, sind sie schön. Alles gehört dazu. Auch die verheilten Wunden.



Solange die Wurzeln fest im Boden stecken, solange ist alles gut. Vielleicht ist es das, was für uns Heimat bedeutet. Vielleicht war ich entwurzelt in den letzten Jahren.




Ein Stück Holz, vom Leben einfach irgendwo aufgespießt.



Zurück aus dem Wald, erreichte ich bald Schwerin. Und weil die Gedanken noch immer so schön kreisten, beschloss ich (oder war es mein Navi), eine Stunde im Kreis zu fahren. Sollte ich mein Rad besser an den Nagel hängen?



Vielleicht gestalten die Schweriner die Verkehrsführung aber auch nur so kompliziert, damit man immer wieder am Schloss vorbeikommt. Der Rest ist nämlich ziemlich hässlich.




Vorne hui, hinten immer noch pfui.




Kein Wunder, wenn man sich da allein und traurig fühlt. Sogar auf Martins SMS musste ich verzichten, weil das Netz auch keine Lust auf Osten hat.




Und so radelte ich schlecht gelaunt durch den nächsten Wald, kurz zuvor realisierend, dass mein eigentliches Etappenziel Ludwigslust noch in weiter Ferne lang, als auf einmal ein Wunder geschah: Ein Naturdenkmal für Schuhfetischistinnen zauberte das Lachen zurück in meine Gesicht.




Ein paar Meter weiter stand ein wunderschönes Schloss und die müde Prinzessin beschloss, dass es Zeit für Feierabend war.




PS. Kurz darauf sah man das edle Fräulein mit dem Netbook durch den Schlosspark wandeln. Auf der verzweifelten Suche nach Netz. Das also war der kleine Haken an der neuen Luxusresidenz. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann sucht sie wohl noch heute.

Kommentare:

  1. Liebe Kerstin,

    herrlich der Schuhbaum.
    Wäre es nicht klasse, eine jede Frau hättte so einen in seinem Garten?

    Welch wunderbares Wetter du hast auf deiner Reise.
    Hier war es grau, regnete und windete den ganzen Tag. Der Herbst hat Einzug gehalten könnte man meinen.

    Das Hotel ist ein Traum. Ist das Schloß Basthorst? Dort war ich vor ein paar Jahren und habe das leckere Essen und den wunderbaren Garten dort sehr genossen.

    Hab einen schönen Abend und dir morgen einen nicht so holprigen Tag.

    Lieben Gruß
    Teresa

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  2. Liebe Kerstin,
    verfolge Deinen Blog jetzt schon lange und bin total beeindruckt Deinem Vorhaben.
    Halte durch, ich wünsche Dir viel schönes Wetter und tolle Eindrücke. Vielleicht können wir uns in der Nähe von München ja treffen, falls die Route da vorbeiführt.
    Liebe Grüße,
    Claudia

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  3. Hi Kerstin,

    auch wenn ich nicht jeden Tag den Drang verspüre, deinen Blog zu kommentieren, schaue ich doch immer rein. Heute waren, wie ich fand, einige besonders nachdenkliche Momente und schöne Bilder dabei. Na und dann noch zuallerletzt der Schuhbaum (!!!). Ich glaub's ja nicht. Das muss wirklich Fügung - oder aber für die Brigitte-Leserinnen inszeniert - gewesen sein ;-)

    Wünsche dir weiterhin eine erlebnisreiche, eindrucksvolle, schöne und sichere Reise!

    Ganz liebe Grüße aus Würzburg, Nils

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  4. Liebe Kerstin,
    vom fernen Wien aus habe ich begonnen, deinen Reise zu verfolgen. Ist es nicht wunderbar, sich so langsam durch die Gegend zu bewegen? - Das ganze Unternehmen scheint ja genau das richtige zu sein nach den Charité-Jahren. Deine kleinen Beobachtungen gefallen mir sehr. Freu dich auf die Elbe! Macht wirklich viel Vergnügen. Zwischendurch gibt es zur Erholung immer mal wieder ne Überfahrt mit der Fähre. Ich drücke die Daumen, dass das Wetter mitspielt. Bis bald, Albert

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  5. Hallo Kerstin,

    durchhalten du schafft das ... dein Prinz kommt ja bald -:)

    Alles Liebe
    Manu und Peter

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